
Fast 29 ha bisher vornehmlich landwirtschaftlich genutzter Fläche wurden in Bayern im Jahr 2000 pro Tag für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Anspruch genommen. Das entspricht in einem Jahr der Fläche der Stadt Nürnberg. Zwar sank die Flächeninanspruchnahme 2003 auf 17,2 ha täglich. Ob diese Entwicklung Bestand haben wird, scheint jedoch fraglich. Es gilt deshalb weiterhin - unabhängig von der konjunkturellen Lage - auf eine verringerte Flächeninanspruchnahme hinzuwirken.
Die Festlegung der anzustrebenden Flächennutzung und damit die Steuerung des Flächenverbrauchs ist aber auch eine Kernaufgabe städtebaulicher Planung. Die einzelnen Handlungsfelder einer flächensparenden Entwicklung sind keineswegs neu:
Konversion ehemals militärisch oder gewerblich genutzter Flächen, Nachverdichtung oder flächensparende Siedlungen sind seit vielen Jahren zentrale Themen eines verantwortungsbewussten Städtebaus.
Die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme zählt zu den großen Herausforderungen für Umweltschutz, Städtebau und Raumordnung.
Die Regierung von Oberfranken hat sich schon frühzeitig zum Ziel gesetzt, den Strukturwandel in Oberfranken voran zu bringen. Ende 2002 wurde daher eine "Projektgruppe Zukunft Oberfranken" (PZO) unter der Leitung des Regierungspräsidenten Hans Angerer, befristet auf zwei Jahre, installiert. Zur Unterstützung der Projektgruppe wurden von der Regierung weitere Einzelprojekte entwickelt. Zu diesen gehörte das Einzelprojekt "Flächenressourcen Management" unter der Leitung von Frau Gräßel, Sachgebietsleiterin Städtebau.
Insbesondere vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der hohen Dichte an großflächigen Brachen der Porzellan-, Textil- und Holzindustrie war und ist es erforderlich, eine neue Inanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr deutlich zu reduzieren.
Der Raum "Nördliches Fichtelgebirge" ist von einer erheblichen wirtschaftlichen und demografischen Stagnation betroffen. Ursachen hierfür sind Bevölkerungsverluste infolge einer negativen natürlichen Bevölkerungsentwicklung und eine zunehmende Abwanderung der jüngeren erwerbsfähigen Bevölkerung, als Reaktion auf den dramatischen Arbeitsplatzabbau in der Porzellan- und Textilindustrie.
Die Städte und Gemeinden Kirchenlamitz, Marktleuthen, Röslau, Schönwald und Weißenstadt (alle Landkreis Wunsiedel) sowie Schwarzenbach a.d. Saale, Sparneck und Zell (alle Landkreis Hof); haben deshalb - gefördert durch das Bund-/Länder-Programm "Stadtumbau West" - ein Interkommunales Entwicklungskonzept erstellt.
Zielsetzung des Konzeptes war zum Einen die Klärung der Frage, in welchen Bereichen der Raum überhaupt noch Entwicklungspotenziale besitzt (z.B. Wirtschaft, Tourismus) besitzt, die gemeinsam erschlossen werden können und zum Anderen die Klärung der Frage, wie durch eine vertiefte Zusammenarbeit Synergieeffekte erzielt werden können, um die knappen Ressourcen für die Zukunft gezielt einsetzen zu können. Die im Konzept erarbeiteten lokalen Projekte werden von den Gemeinden eigenständig abgewickelt. Zur Umsetzung der interkommunalen Projekte wurde ein Stadtumbaumanagement beauftragt.