Regierung von Oberfranken

Pressemitteilung-Nr.: 187/09
18.11.2009
PDF-Version (32 KB)

Wildtiere dürfen wieder wandern -
Erste Grünbrücke in Oberfranken über die A 93 im Rehauer Forst in Planung

Im Rehauer Forst wandern Wildtiere zukünftig auf einer eigenen Brücke über die Autobahn: Die erste Grünbrücke in Oberfranken soll ab Ende 2010 die Lebensräume des Wildes wieder miteinander verbinden, die 1997 beim Neubau der A 93 durchschnitten wurden. Die Regierung von Oberfranken hat jetzt die straßenrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, dass die Autobahndirektion Nordbayern mit den Planungen für das fast 50 Meter breite Bauwerk zwischen den Anschlussstellen Rehau und Schönwald beginnen kann. "Grün" ist die Brücke deshalb, weil sie mit deckungsreichen Gehölzen bepflanzt wird. Zusammen mit den seitlichen Holzwänden werden Lärm- und Blendwirkungen des Verkehrs reduziert, so dass das Wild die Autobahn auf der Brücke ungestört überqueren kann. "Eine von drei Grünbrücken in Bayern wird künftig in Oberfranken stehen," freut sich Regierungspräsident Wilhelm Wenning. "Damit kommen wir bei der Sicherung der Biodiversität in Oberfranken wieder ein gutes Stück voran."

Die Grünbrücke im Rehauer Forst wird den international bedeutsamen "Wildtierkorridor Erzgebirge - Fichtelgebirge - Bayerischer Wald" sichern. Von alters her besteht ein regelmäßiger Zug des Rotwildes vom Erz- und Elstergebirge über den Rehauer Forst ins Fichtelgebirge und zurück. "Von der Wiederherstellung des Wanderkorridors für das Rotwild profitieren auch zahlreiche andere Tierarten wie Luchs, Fischotter und viele andere," erläutert Regierungspräsident Wilhelm Wenning.

Die Kosten für die Grünbrücke belaufen sich auf rd. 4,3 Mio. € und werden aus dem Konjunkturpaket II finanziert. Mit den Bauarbeiten soll nach Aussage der Autobahndirektion Nordbayern schon ab Februar 2010 mit Rodungsarbeiten begonnen werden. Die Fertigstellung der Grünbrücke ist bis November 2010 vorgesehen.
Die Maßnahme ist mit den Bayerischen Staatsforsten, der Stadt Selb und dem Bayerischen Landesjagdverband abgestimmt.

Hintergrund:

Die Grünbrücke basiert auf dem "Konzept zur Erhaltung und Wiederherstellung von bedeutsamen Wildtierkorridoren an Bundesfernstraßen in Bayern " des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Sie ist dort in der höchsten Priorität als "Sofortmaßnahme" eingestuft.

Viele Wildtiere unternehmen im Tages- und Jahreslauf mehr oder weniger weiträumige Wanderungen zwischen verschiedenen Lebensräumen, zwischen Fortpflanzungsstätten und Nahrungsgebieten oder zur Suche nach neuen Revieren. Die langfristige Überlebensfähigkeit von Populationen setzt eine genetische Durchmischung voraus, für deren Aufrechterhaltung ein Austausch von Individuen zwischen Teilen der Population notwendig ist. Dieser Austausch erfolgt häufig durch die Abwanderung von Jungtieren und deren Neuansiedlung in einem anderen Gebiet. Autobahnen können dabei unüberwindbare Barrieren sein. Die "Verbesserung der Durchlässigkeit von Verkehrsverbindungen und Verminderung der Zerschneidungseffekte" ist eine wesentliche Säule der Bayer. Biodiversitätsstrategie.