Regierung von Oberfranken

Pressemitteilung-Nr.: 131/13
05.12.2013
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Naturschutz in Oberfranken: NATURA 2000-Managementpläne für die Mausohrwochenstuben in Kirchendachstühlen in Kronach und Steinwiesen

"Natura-2000-Mangementpläne für das Oblatenkloster in Kronach und die Christuskirche in Steinwiesen - das klingt zunächst ungewöhnlich. Beide sind indes Teil der bedeutenden europäischen Natura-2000-Gebiete "Mausohrwochenstube in Steinwiesen" und "Mausohrkolonien im Naturraum Obermainisches Hügelland", weil sie in ihren Dachstühlen die Wochenstuben des Großen Mausohres beherbergen, einer unserer größten Fledermausarten. In den Managementplänen sind alle Maßnahmen dargestellt, die notwendig sind, um die Lebensräume der Fledermäuse in ihrem guten Zustand zu erhalten", mit diesen Worten übergab Dr. Herbert Rebhan, Leiter des Sachgebietes Naturschutz an der Regierung von Oberfranken, heute die Managementpläne an die beteiligten Kirchengemeinden und die Gemeinden Stadt Kronach und Markt Steinwiesen sowie an das Landratsamt Kronach. An den genannten Stellen besteht ab sofort die Möglichkeit der Einsichtnahme.

Konkrete Schutzmaßnahmen

Die konkreten Schutzmaßnahmen erläuterte Andreas Niedling aus dem Sachgebiet Naturschutz der Regierung von Oberfranken: "Die Schutzmaßnahmen zielen zum einen darauf ab, Störungen bei der Aufzucht der Jungen zu vermeiden. In den Fledermaus-Wochen-stuben ziehen zum Teil mehrere hundert Weibchen in den Sommermonaten ihren Nachwuchs auf. Die Pläne sehen daher vor, dass notwendige Sanierungs- oder Renovierungsarbeiten im Umfeld der Quartiere auf den Herbst oder Winter verschoben werden und mit den Naturschutzbehörden abgestimmt werden. Zum anderen geht es darum, die traditionellen Ein-und Ausflugsöffnungen im Gebälk für die Großen Mausohren zu erhalten. Fledermäuse sind Gewohnheitstiere. Werden die alten Einflugsöffnungen verschlossen finden sie oft nicht mehr ins Quartier, auch wenn benachbart andere Öffnungen bereitgestellt werden.

Aus Angst vor Taubenplagen werden bei Sanierungen von Kirchen und anderen größeren Gebäuden leider oft die Dachböden und Türme mit Gittern vollständig verschlossen. Fledermäuse und typische Gebäudebrüter unter den Vögeln, etwa Mauersegler, haben dann kaum noch die Möglichkeit, Hohlräume für die Jungenaufzucht zu finden. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, Tauben auszusperren, ohne alle Öffnungen hermetisch abzuschließen.

Natürlich spielt auch die Qualität des Jagdgebietes eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Wochenstuben. Mausohren jagen vorwiegend im Wald. Strukturreiche Wälder mit hohem Laubholzanteil, in denen viele Insekten als Beutetiere leben, werden bevorzugt."

Der Managementplan wurde von der Regierung von Oberfranken zusammen mit der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern und dem Landratsamt Kronach erarbeitet.

Wissenswertes zur Managementplanung NATURA 2000:

Hintergrund zur Erstellung von Managementplänen ist die Verpflichtung aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union unter der Bezeichnung "NATURA 2000" ein europaweites Netz aus FFH- und Vogelschutzgebieten einzurichten und den günstigen Erhaltungszustand der Gebiete zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, werden gemeinsam mit allen Beteiligten vor Ort sog. Managementpläne erarbeitet. Der Managementplan ist Leitlinie staatlichen Handelns, er soll Klarheit und Planungssicherheit schaffen, hat jedoch keine rechtliche Bindungswirkung für die ausgeübte Nutzung durch die Grundeigentümer. Für private Grundeigentümer begründet der Managementplan daher keine unmittelbaren Verpflichtungen, die nicht schon durch das gesetzliche Verschlechterungsverbot vorgegeben werden.

Weitere Informationen zu NATURA 2000 erhalten Sie unter der Adresse

Für Rückfragen steht


Andreas Niedling
Höhere Naturschutzbehörde
an der Regierung von Oberfranken
Sachgebiet 51
Tel.: 0921/604-1442
Fax: 0921/604-4442
E-Mail: Andreas Niedling
gerne zur Verfügung.