Regierung von Oberfranken

Pressemitteilung-Nr.: 030/18
11.04.2018
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Neue Chance für den Erhalt der Flussperlmuschel

Der Bund Naturschutz in Bayern e.V. - Kreisgruppe Hof - erhält von der Regierung von Oberfranken europäische Fördermittel für ein neues grenzübergreifendes Artenschutzprojekt.

Die Bachsysteme im „Dreiländereck“ Bayern-Sachsen-Tschechien gehören zu den wenigen Gebieten in Mitteleuropa, in denen noch Restbestände der vom Aussterben bedrohten Flussperlmuschel vorkommen. Das Hauptproblem: Der Nachwuchs bleibt aus. In den letzten Jahren wurden nur noch wenige Jungmuscheln gefunden – zu wenige, um den Bestand langfristig zu erhalten. Die starke Sedimentbelastung ist die Hauptursache für die hohe Sterblichkeit der Jungmuscheln vor allem in den ersten 3 Jahren. Ab einem Alter von ca. 4-5 Jahren sind Muscheln in den Bächen jedoch sehr gut überlebensfähig. Um den Fortbestand der Populationen in den nächsten Jahrzehnten zu sichern, ist deshalb eine Zucht von Jungmuscheln in größerer Zahl bis zu einem Alter von ca. 5 Jahren erforderlich. Da dies nur in einer Muschelzuchtanlage vor Ort realisiert werden kann, soll ein ehemaliges Mühlgebäude am "Grünen Band" umgebaut und als Zuchtanlage eingerichtet werden. Der tschechische Partner des BN, die staatliche Naturschutzagentur AOPK, wird parallel dazu Maßnahmen zur Förderung der natürlichen Standorte des Muschelvorkommens durchführen. Umweltbildungsmaßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit runden das Projekt ab.

Das Projekt mit einer Laufzeit von 2018 bis 2020 wird von der EU aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Programm „Ziel ETZ Freistaat Bayern–Tschechische Republik 2014-2020“ mit insgesamt bis zu 1,17 Millionen Euro gefördert, wie dem entsprechenden Zuwendungsbescheid der Regierung von Oberfranken zu entnehmen ist. Dies entspricht einem Fördersatz von 85 Prozent. Weiterer Fördergeber ist der Bayerische Naturschutzfonds (5 Prozent).

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz: "Der Schutz der Flussperlmuschel, einer höchst anspruchsvollen Tierart, kann nur durch grenzübergreifende Zusammenarbeit gelingen. Das Projekt des Bund Naturschutz wurde im Zusammenwirken mit Muschelexperten aus Bayern und Tschechien vorbereitet und wird mit ihnen gemeinsam durchgeführt. Durch die Förderung der Europäischen Union erhält der grenzübergreifende Naturschutz neue Impulse, und mit dem Bund Naturschutz in Bayern e.V. steht uns ein kompetenter Partner auf diesem Gebiet zur Seite.“

Hintergrund:

Die Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ) ist ein Ziel im Rahmen der EU-Strukturförderung, das aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird. Für die Umsetzung grenzübergreifender Projekte zwischen dem Freistaat Bayern und der Tschechischen Republik stehen in der Förderperiode 2014-2020 Fördermittel in Höhe von 103 Millionen Euro aus dem EFRE zur Verfügung. Gefördert werden Projekte aus den Bereichen "Forschung, technologische Entwicklung & Innovation", "Umweltschutz und Ressourceneffizienz", "Kompetenzen und Bildung" sowie "Nachhaltige Netzwerke und institutionelle Kooperation". Aktuell sind 78 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel bereits für Projekte gebunden. Weitergehende Informationen unter: www.by-cz.eu