Regierung von Oberfranken

Biodiversität

Die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde, die biologische Vielfalt (Biodiversität) umfasst die

UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 - 2020

Die Vereinten Nationen haben die internationale UN-Dekade Biologische Vielfalt von 2011 bis 2020 ausgerufen. Die Dekade bietet auch große Chance, mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, unserer natürlichen Lebensgrundlage, zu sensibilisieren.

Als Regierungsbezirk mit ausgesprochen reichhaltiger biologischer Vielfalt hat Oberfranken eine besondere Verantwortung für deren Erhalt. Zentrale Aufgabe der Höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Oberfranken ist die dauerhafte Erhaltung und Entwicklung dieser Biodiversität.

Bayerische Strategie zur Erhaltung der Biodiversität

Der Bayerische Ministerrat hat am 01. April 2008 eine Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bayern beschlossen.

Broschüre Bayerische Biodiversitätsstrategie

NaturVielfaltBayern - Biodiversitätsprogramm 2030

Logo NaturVielfaltBayern

Mit dem Programm "NaturVielfaltBayern" setzt das Bayerische Umweltministerium neue Maßstäbe beim Erhalt der Artenvielfalt und der Lebensräume. Das Programm wird die Umsetzung der ressortübergreifenden Biodiversitätsstrategie unterstützen und weiter voranbringen. Dabei sollen bewährte und laufende Maßnahmen verstetigt, fachliche Grundlagen verbessert, neue Maßnahmen initiiert und innovative Projekte ermöglicht werden.

Titelblatt NaturVielfaltBayern - Biodiversitätsprogramm 2030

Titelblatt Artenschutzbericht 2010

Eine erste Zwischenbilanz der Biodiversitätsstrategie ist der 2010 erschienene Artenschutzbericht. Er listet auf, was bisher erreicht wurde und vor welchen Herausforderungen der Freistaat beim Artenschutz steht.

 
 

Broschüre NaturVielfaltBayern

Titelblatt Broschüre NaturVielfaltBayern

Broschüre Natur.Vielfalt.Oberfranken

Die Broschüre Natur.Vielfalt.Oberfranken präsentiert die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Landschaft Oberfrankens. Zudem werden erfolgreiche Naturschutzprojekte vorgestellt und Wege aufgezeigt, wie jeder zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen kann.

Titelblatt Broschüre Natur.Vielfalt.Oberfranken

Biodiversität in Oberfranken

Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie in Oberfranken

Die Umsetzung der vom Bayerischen Ministerrat 2008 beschlossenen Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt erfolgt unter anderem über die verschiedensten Naturschutzprojekte. Beispielhaft werden im Folgenden einige der oberfränkischen Projekte vorgestellt:

Obstsortenvielfalt in Oberfranken

Foto Obstmarkt Weihern, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Streuobstbestände können wahre Schatzgruben für alte, regionale Obstsorten sein. In Deutschland ist mit mindestens 3.000 Apfel- und 1.500 Birnensorten zu rechnen. Alte Obstbäume bieten zudem vielen Tier- und Pflanzenarten wie Wendehals, Gartenrotschwanz, Fledermäusen, seltenen Insektenarten, Pilzen und Flechten einen Lebensraum. Durch fehlende Pflege, ausbleibende Nachpflanzung und Nutzungsaufgabe sind viele Bestände hochgradig gefährdet.
Mit dem Projekt werden die Sortenvielfalt gesichert und Streuobstbestände als wertvolle Lebensräume erhalten. Dazu werden in etwa 30 oberfränkischen Beständen zunächst Apfel- und Birnbäume erfasst, die jeweilige Sorte bestimmt und die naturschutzfachliche Wertigkeit abgeschätzt. Die Kartierergebnisse liefern auch wertvolle Hinweise zu erforderlichen Pflegemaßnahmen in den Streuobstbeständen. Für besonders gefährdete Sorten erfolgen Nachzuchten. Mit einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vorträgen, obstkundlichen Führungen, Sortenbestimmungskursen, Faltblatt und mehreren Infotafeln wird die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert.
Auch das Bayerische Fernsehen greift das Thema auf und berichtet in einem sechsminütigen Beitrag in der Sendung "Unser Land" über das Projekt.

Die Kartierergebnisse sind sehr erfreulich. Bisher wurden weit über 100 verschiedene Apfel- und mehr als 50 Birnen-Sorten sicher bestimmt. Darunter auch einige echte Raritäten wie Purpurroter Agatapfel, Lütticher Ananaskalvill, Pfaffenhofer Schmälzling und Roter Fresquin bei den Äpfeln oder die Birnen Kleine Pfalzgräfin, Bamberger Kugelbirne und Minister Lucius. Von rund 140 teilweise unbekannten Sorten wurden Edelreiser zur Weitervermehrung in einer Baumschule und dem Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth gewonnen.

Weitere Infos

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Kreisverbänden für Gartenbau und Landespflege bieten wir obstkundliche Führungen, Sortenbestimmungen im Rahmen von Obsttagen, Bestimmungsseminare für Kernobst oder auch Vorträge an. Unsere nächsten Termine sind:

Datum Veranstaltung/Ort nähere Informationen
Sa 01.10.2016 Obstkundliche Führung bei Gunzendorf /Lkr. BA Zum Flyer
Sa 08.10.2016 Sortenbestimmung auf der Kreisobstausstellung in Bayreuth Zum Flyer
So 09.10.2016 Sortenbestimmung beim Apfeltag in Mürsbach / Lkr. BA Zum Flyer
Fr 14.10.2016 Obstkundliche Führung bei Eicha / Lkr. CO Zum Flyer
Sa 15.10.2016 Obstkundliche Führung bei Trumsdorf / Lkr. KU Zum Flyer
Sa 22.10.2016 Bestimmungsseminar in Hiltpoltstein / Lkr. FO Zum Flyer

Sandgruben in Oberfranken

Foto Sandgruben, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Die Neuanlage von Sandgruben kann einen massiven Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild bewirken. Hauptsächlich in ausgeräumten Agrarlandschaften, bei entsprechend geregeltem Abbau und naturschutzorientierter Rekultivierung können sich die Abbaustellen zu Naturoasen aus "zweiter Hand" entwickeln. Gerade Pionierarten und Arten, die an offene Lebensräume angepasst sind, finden hier letzte Rückzugsräume. Hochgradig bedroht ist der Lebensraum vor allem durch die für die Betreiber sehr lukrative Verfüllung.
Das Projekt zielt darauf ab, die außerordentlich hohe Bedeutung von Sandgruben als Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu belegen, zu sichern und den Betreibern sowie der Öffentlichkeit bewusst zu machen.
Die im Rahmen des Projekts erfolgte Kartierung von Pflanzen und verschiedenen Tiergruppen in 27 oberfränkischen Sand- und Tongruben belegt, wie wertvoll diese Abbaustellen für die Biodiversität sind. Festgestellt wurden rund 850 verschiedene Arten. Darunter beispielsweise auch Seltenheiten wie Rundblättriger Sonnentau, Sumpfbärlapp, Uhu, Kreuzkröte, Gelbbauchunke, Kammmolch oder die Blauflügelige Sandschrecke. Allein 135 verschiedene Wildbienenarten wurden erfasst.
Sandgrubenbetreiber können bereits während der Abbauphase viel zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. So werden beispielsweise felsbrütende Vogelarten durch die Gestaltung von strukturreichen Steilwänden mit Vertiefungen, Nischen und Vorsprüngen gefördert. Offene Rohbodenflächen, Kleingewässer mit unregelmäßiger Uferlinie oder Steinhaufen bieten vielen Arten einen Lebensraum. In älteren Sandgruben können Entbuschungen oder das Abschieben von Oberboden zum Offenhalten erforderlich sein.

Zum Abschluss des Projekts wurde die Broschüre "Sandgruben in Oberfranken – von Wunden in der Landschaft zu Oasen der Vielfalt" erstellt. Diese wurde von Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin im Juli 2015 exemplarisch an einen Abbauunternehmer übergeben.

Weitere Infos

Gartenschläfer im Fichtelgebirge und Frankenwald

Eliomys quercinus02

Durch die verborgene, überwiegend nachtaktive Lebensweise des Gartenschläfers ist über seine Verbreitung in Oberfranken relativ wenig bekannt. Aktuelle Einzelnachweise liegen aus dem Fichtelgebirge und Frankenwald vor. Die possierliche Art nutzt Baumhöhlen, alte Wurzelstöcke und Nistkästen als Tagesversteck. Weitere wichtige Strukturelemente sind beerenreiche Hecken und zwergstrauchreiche Säume beispielsweise um Blockmeere. Mit unterschiedlichen Erfassungsmethoden werden im Rahmen des Projektes Kenntnislücken zu Vorkommen und Lebensraumansprüchen des Gartenschläfers geschlossen. Dazu wird auch ein Netzwerk ehrenamtlicher Helfer aufgebaut, das sich beispielsweise um die Kontrolle ausgebrachter Nistkästen und -röhren kümmert. Wer hier mitarbeiten oder Funde von Gartenschläfern melden möchte, kann sich gerne mit den in einem Fahndungssteckbrief genannten Personen oder der Regierung von Oberfranken in Verbindung setzen.
Die Information der Forstbetriebe, Waldbesitzer und der breiten Öffentlichkeit erfolgt über Vorträge, Plakate, ein Faltblatt und einer Internetseite zum Gartenschläfer in Oberfranken.

Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Ein besonderer Dank gilt den ehrenamtlichen Helfern, die sich auch nach dem Projektabschluss noch um die Kontrolle und Betreuung der Gartenschläfer-Nistkästen kümmern.

Weitere Infos

Schutz der Kleinen Hufeisennase

Foto Kleine Hufeisennase, © Peter Boye
© Dr. Peter Boye

Die vom Aussterben bedrohte Kleine Hufeisennase ist eine der seltensten Fledermausarten in Nordbayern. Ihren Namen verdankt sie dem hufeisenförmigen Hautaufsatz der Nase. Immer wieder werden in Höhlen und Kellern hauptsächlich im Landkreis Bayreuth einzelne Tiere in ihrem Winterquartier entdeckt. Sie hängen, anders als andere Fledermausarten, frei von der Decke und sind im Schlaf an der nahezu vollständigen Einhüllung durch ihre Flughäute erkennbar.

Zu einem erfolgreichen Fledermausschutz gehört auch die Sicherung von Sommerquartieren und Wochenstuben - das sind Quartiere in denen die Weibchen ihre Jungen zur Welt bringen und gemeinsam aufziehen. Gerade solche Wochenstuben sind aber in Oberfranken nicht bekannt. Daher wird im Rahmen des Projekts versucht, einzelne Tiere zu fangen und mit einem kleinen Sender zu behaften. Diese Tiere werden dann mehrere Nächte, bis zum Abfallen der Sender, verfolgt. Weitere Inhalte des Projekts sind die fledermausgerechte Sanierung maroder Keller, Stollen- und Höhlentüren und die Kontrolle potenzieller Winterquartiere der Kleinen Hufeisennase.

Die bisherigen Ergebnisse des Projekts können sich durchaus sehen lassen. So konnten in 15 Höhlen und Kellern in den Landkreisen Bayreuth und Forchheim erstmalig Nachweise der Kleinen Hufeisennase erbracht werden. Durch die Besenderung und Verfolgung einzelner Tiere (Telemetrie) konnten mehrere Tages- und Nachtquartiere und als wahre Sensation auch Sommerquartiere bzw. Wochenstuben entdeckt werden. Bei im Rahmen des Projektes durchgeführten Untersuchungen konnten auch im Frankenwald einzelne Tiere der seltenen Fledermausart nachgewiesen werden. Nun gilt es die Quartiere und Lebensräume zu sichern und zu optimieren.

Ein Flyer zum Projekt soll zum Mitmachen bei der Aktion "Fledermäuse willkommen" anregen und ruft auch auf, Vorkommen der an ihren Hangplätzen gut erkennbaren Kleinen Hufeisennase zu melden.

Erfassung und Schutz der Nymphenfledermaus

Foto Nymphenfledermaus, © Jürgen Thein
© Jürgen Thein

Die Nymphenfledermaus ist eine unserer kleinsten Fledermäuse. Sie wurde 2012 erstmalig für Bayern im Landkreis Forchheim nachgewiesen. Mittlerweile gibt es Hinweise auf Vorkommen auch aus anderen Teilen Oberfrankens.

Zu Lebensweise und den Lebensraumansprüchen ist derzeit nur wenig bekannt. Bisherige Fundstellen liegen in Laubwäldern mit Altbäumen und engem Bezug zu Feuchtflächen.

Das Projekt möchte diese Kenntnislücken verkleinern. Deshalb erfolgen Untersuchungen sowohl in Waldgebieten mit bekannten Vorkommen der Nymphenfledermaus, in potenziell als geeignet erscheinenden Lebensräumen aber auch in Gebieten, in denen die Art nach den bisherigen Erfahrungen nicht unbedingt zu erwarten wäre.

Die Bestandserfassungen erfolgten mit Hilfe von Rufaufzeichnungsgeräten (Batcordern) und in Ausnahmefällen durch Netzfänge. Die Ergebnisse waren sehr erfreulich: In 8 der 16 untersuchten Waldgebiete in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels und Bamberg konnten Nachweise der Nymphenfledermaus erbracht werden. Durch konsequenten Schutz alter Laubholzbestände sowie das Belassen von Altbäumen mit absterbenden Ästen im Kronenbereich, kann die Nymphenfledermaus gefördert werden. Das Projekt ist zum Jahresende 2014 ausgelaufen.

Schönheiten der Nacht - Nachtfalter in Sand-Lebensräumen

Foto Ampfer-Purpurspanner, © Martin Bücker
© Martin Bücker

Nicht alle Nachtfalter fliegen nur nachts und sind unscheinbar grau. Manche von ihnen sind durchaus auch tagsüber zu sehen, andere wiederum können sehr bunt und auffällig sein.

In einem weiteren Projekt der Regierung von Oberfranken wird die Nachtfalterfauna in ausgewählten Sandlebensräumen in Stadt und Landkreis Bamberg untersucht. Dabei werden die Tiere mit Hilfe von Leuchtanlagen und speziellen Lockstoffen angelockt und bestimmt. Die vorgefundenen Nachtfalter dienen als Indikatoren für den Zustand und die naturschutzfachliche Wertigkeit der untersuchten Sandlebensräume. Die Ergebnisse der Kartierung werden mit der 1991 von der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen durchgeführten Untersuchung verglichen. Daraus können Hinweise zur Pflege und zum Management der wertvollen Sandmagerrasen abgeleitet werden.

Weitere Infos

Biodiversität in Gefahr: Neubürger in der Tier- und Pflanzenwelt Oberfrankens

Als Neubürger der Tier- und Pflanzenwelt werden Organismen bezeichnet, die sich nach dem Jahr 1492 (Entdeckung Amerikas) in einem zuvor nicht von ihnen besiedelten Gebiet durch direkte oder indirekte Hilfe des Menschen angesiedelt haben. Diese nichtheimischen Arten werden unter dem Begriff "Neobiota" zusammengefasst. Bekannte Beispiele sind Kartoffelkäfer, Bisam, Indisches Springkraut oder Riesen-Bärenklau.

Manche der "Neuankömmlinge" richten immense Schäden an und werden mit Millionenkosten bekämpft. Je nach Art sind sie teilweise gesundheitsschädlich, verdrängen durch ihre Konkurrenzkraft heimische Arten und führen zur Veränderung von Lebensräumen. Neobiota gelten daher nach dem Verlust und der Zerstörung von Lebensräumen als zweithäufigste Ursache für den weltweiten Rückgang an biologischer Vielfalt.

Die Regierung von Oberfranken versucht der oftmals versehentlichen oder unwissentlichen Ausbreitung von Neobiota entgegenzuwirken. Hierzu wurden Faltblätter entworfen, die verschiedene Interessensgruppen wie Imker, Teichbesitzer oder Hobbygärtner informieren sollen. Die Faltblattserie wurde im Rahmen der Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie erstellt.

Ausstellung "Biodiversität in Oberfranken"

Biodiversität in Oberfranken

Die für die Landesgartenschau in Bamberg konzipierte Ausstellung umfasst acht Stelltafeln. Dargestellt werden die kostenlosen Dienstleistungen der Natur ebenso wie das europaweite Schutzgebietssystem NATURA 2000. Beispielhaft werden vier Projekte vorgestellt, die der Umsetzung der Bayerischen Strategie zur Erhaltung der Biodiversität in Oberfranken dienen.

Die Schautafeln im Einzelnen:

Natur-Quiz für Kinder

Hier könnt Ihr Euer Wissen zur biologischen Vielfalt testen. Wenn Euch die Fragen zu schwer sind, fragt einfach Eure Eltern um Rat.

Vielfalt des Lebens - Natur des Jahres

Alljährlich werden von verschiedenen Institutionen besondere Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume sowie Landschaften als "Natur des Jahres" ausgewählt.

Weitere Informationen

Ansprechpartner

Dr. Herbert Rebhan
Sachgebiet 51
Tel.: 0921/604-1478
Fax: 0921/604-4478
E-Mail: Dr. Herbert Rebhan
Gerhard Bergner
Sachgebiet 51
Tel.: 0921/604-1476
Fax: 0921/604-4476
E-Mail: Gerhard Bergner