Regierung von Oberfranken

Umwelt-Info 05/2002

Vom Konflikt zur Partnerschaft:
Kletterkonzepte im Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst - Neue Wege im partnerschaftlichen Naturschutz

In der Fränkischen Schweiz wird seit über 100 Jahren geklettert. Ein großer Teil der heutigen Kletterfelsen wurde schon im Führer "Der Kletterer im Frankenjura" 1931 beschrieben. In den 80er Jahren entwickelte sich das Klettern zu einer Trendsportart. Die "Fränkische Schweiz" wurde als ein europaweit begehrtes, freies Kletterparadies entdeckt. Die Besucherzahlen stiegen um ein Vielfaches gegenüber früheren Zeiten. Strengere Kletterregelungen und Kletterverbote im übrigen Deutschland und nicht zuletzt die Grenzöffnung nach Osten führten hier zu einem regelrechten Boom, der noch heute unverändert anhält.

Konflikte mit anderen Nutzungen und Interessen sowie den Belangen der Grundstückseigentümer in dem zweitgrößten Naturpark Deutschlands blieben nicht aus. Insbesondere aus Naturschutzreihen wurde massive Kritik laut. Denn es lässt sich nicht bestreiten, dass die Kletterei teilweise erhebliche nachteilige Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt hat. Die Beeinträchtigung der seit 1986 nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz besonders geschützten Felsvegetation mit seltenen Pflanzenarten im Bereich der Kletterrouten, aber auch durch das Putzen der Felsen und die Verwendung von Magnesia für bessere Haftung, war offensichtlich. Unter den Tieren war vor allem die Vogelwelt betroffen. So werden durch häufige Störung die traditionellen Brutplätze von seltenen Vogelarten wie Wanderfalke und Uhu gefährdet oder von den Tieren völlig aufgegeben. Felssperrungen zur Sicherung einer ungestörten Brut waren die unvermeidlichen Folgen.

Gleichzeitig war man sich jedoch auch bewusst, dass mit Verboten alleine eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung nicht erreicht werden kann. Die Idee eines gemeinsam erarbeiteten und abgestimmten Kletterkonzeptes wurde geboren.

So wurde 1992 im Wiesenttal unter Mitwirkung des Deutschen Alpenvereins, der IG (Interessengemeinschaft) Klettern und der Regierung von Oberfranken eine erste Kletterkonzeption mit dem Namen "Weiße Wand" erarbeitet. Mit ihr sollte der Kletterbetrieb gelenkt und die für die Felslebensräume belastenden Auswirkungen des Kletterns minimiert werden, um durch die Schaffung von Ruhezonen für Fauna und Flora ungestörten Lebensraum zu erhalten. Ein Jahr später folgte die

Kletterkonzeption "Eibenwald"

innerhalb des gleichnamigen Naturschutzgebietes bei Gößweinstein.

Dies war der Einstieg in eine künftige Partnerschaft, die in weitere Konzeptionen in der nördlichen Frankenalb mündete und auch deutschland- und europaweit nicht nur Beachtung, sondern vielfache Nachahmung fand.

1995 entstand das "Kletterkonzept Hersbrucker Alb", bei dem Vertreter der Naturschutz- und Kletterverbände sowie die Naturschutzbehörden einen Arbeitskreis gründeten.

2001 wurde das Kletterkonzept "Betzenstein-Plech" fertiggestellt. Auch hier arbeitete der o. g. Arbeitskreis, zusammen mit dem Naturpark "Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst" und den Gemeinden.

Auch in Pottenstein wurde im Jahre 1996 mit der Erstellung eines Kletterkonzeptes begonnen, das im Rahmen eines Studienprojektes bei der Aufstellung des Landschaftsplanes der Stadt von der FH Weihenstephan, die bedarfsorientierte Lenkung des Kletterbetriebes in diesem überregional bedeutsamen Gebiet untersuchte und in weitere Arbeitskreise mündete. Das Konzept steht nun kurz vor der Fertigstellung.

Während in anderen Klettergebieten Deutschlands weiterhin Konfrontationen bestehen, wird nun in allen Gemeinden im Naturpark "Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst" versucht, über gemeinsam erarbeitete Kletterkonzepte einen Konsens zu bewirken. So stehen z.B. die Konzepte für Waischenfeld, Hollfeld, Pegnitz und Kirchahorn vor der Vollendung. Entsprechende Lenkungsmaßnahmen durch den Naturpark mittels ausführlicher Beschilderung und Informationsbroschüren zum Thema Klettern und die vorliegende Zonierung sowie Internet- und Presseveröffentlichungen ergänzen diese Strategie.

Kern der Kletterkonzeptionen

ist die bewährte Zonierung der Felslebensräume in Bereiche mit unterschiedlicher Nutzung:

Zone 1:

hier wird grundsätzlich nicht geklettert!

Zone 2

Zone 3

Nicht im Konzept erfasste Bereiche sind automatisch als Zone I anzusehen, d. h. sie dürfen nicht beklettert werden.

Die Ergebnisse werden in den sogenannten Topos (unmaßstäbliche Frontalansicht der Kletterfelsen) bzw. textlich festgehalten. Ergänzend hierzu können zeitliche Sperrungen in Einzelfällen festgelegt werden. So wird z.B. im Falle einer Brut von Uhu oder Wanderfalke der betroffene Wandbereich sofort durch eine entsprechende Beschilderung gesperrt, die nach Flüggewerden der Jungvögel wieder entfernt wird. Konkrete Betretungsverbote durch Rechtsverordnung bestehen nur in wenigen Ausnahmefällen.

Die Zonierung und die örtlich jeweils erforderlichen Maßnahmen wurden bei Ortsbegehungen durch Vertreter der beteiligten Kletter- und anerkannten Naturschutzverbände, der Gemeinden und Behörden festgelegt. Sie erfolgte auf der Grundlage der Topos aus dem "Thum-Führer" von 1998, mit Einverständnis des Autors Bernhard Thum, sowie aus dem "Kletterführer Frankenjura" von Sebastian Schwertner, Stand Februar 2001.

Damit bisher unbekletterte Felsen nach Absprache unter Auflagen weiterhin erschlossen werden können, insbesondere wenn sie von großer Bedeutung für die Weiterentwicklung der Spitzenleistungen sein sollten, einigten sich Erschließer, viele fränkische Spitzenkletterer, Vertreter des Deutschen Alpenvereins (DAV) und der IG Klettern auf folgenden Appell an alle Kletterer und Kletterinnen: