Regierung von Oberfranken

Gebäude der Regierung

Schon im 17. Jahrhundert wurde mit dem Bau des alten Regierungsgebäudes in der Bayreuther Kanzleistraße begonnen. Nach mehrfachen Um- und Anbauten bis hinein ins 19. Jahrhundert sollte auf dem an der Rückseite angrenzenden Gebäude an der Ludwigstraße das "Regierungs-Präsidial-Gebäude" errichtet werden. Nach den Plänen aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts sollte ein dreigeschossiges Gebäude mit L-förmigem Grundriß entstehen. Die besondere Lage des neuen Regierungsgebäudes an der Ludwigstraße gegenüber dem Neuen Schloß machte es notwendig, den Neubau an das Schloß anzupassen. In der Fassade des Regierungsgebäudes vermischen sich daher zeitgenössische Bauelemente des Jugendstils mit solchen aus der Barockzeit.

Gemälde von Hans-Joachim Schirmer: Der Präsidialbau der Regierung von Oberfranken
Hans-Joachim Schirmer: Der Präsidialbau der Regierung von Oberfranken

Der sogenannte Präsidententrakt ist großzügig gestaltet, er verbreitet Noblesse und Klarheit im Grundriß: die funktionsgerechte Kutschenvorfahrt unter Dach, einst mit Holz gepflastert, das nahezu fürstliche, weite und helle Treppenhaus und der seit wenigen Jahren wieder in seine Ursprünglichkeit zurückgeführte Vorraum im 1. Stock bestechen auch wegen ihrer Detailqualität. Es entstand das für den Jugendstil typische Gesamtkunstwerk, bei dem bis hin zur Beleuchtung, Beschlägen und Möblierung alles bewußt gestaltet und für diesen Zweck entworfen wurde.

Gestalterische Höhepunkte sind der Landrätesaal im 2. Obergeschoß, das Empfangszimmer und das Arbeitszimmer des Präsidenten im 1. Obergeschoß. Diese drei Räume wurden vor ihrem Einbau in Bayreuth 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis, USA, gezeigt. Sie stellten die Leistungsfähigkeit des deutschen Kunsthandwerks eindrucksvoll unter Beweis.

Der Landrätesaal, heute großer Sitzungssaal, wurde vom 1859 in Breslau geborenen Architekten Professor Martin Dülfer entworfen. Für sein Werk erhielt er auf der Weltausstellung den Grand Prix. Der klare und doch bewegte Raum ist aus einem Guß. Material und Detail überzeugen. Die dekorativen graugelben Stützen sind aus Juramarmor, die Wände sind mit Mahagoni verkleidet. Das Wappen Coburgs fehlt noch, da Coburg erst 1920 zu Bayern kam.

Das Empfangszimmer entwarfen die Brüder Franz und Josef Rank aus München. Die Atmosphäre des Raumes wird bestimmt durch eine hervorragend verarbeitete und wunderbar nachgedunkelte Ahornvertäfelung mit Intarsien.

Für das Arbeitszimmer des Präsidenten hat Bruno Paul ebenfalls eine Silbermedaille erhalten. Der noble und in seinen Abmessungen fast intime Arbeitsraum des Präsidenten wird durch die dunkle Eichenholztäfelung an der Wand und die mit hellem Eschenholz verkleidete, kassettierte Decke sowie die tropfenförmigen Beleuchtungskörper aus Opalglas geprägt.

Das städtebaulich und architektonisch reizvolle Gebäude der Regierung von Oberfranken bildet insbesondere im Zusammenspiel mit dem gegenüberliegenden Neuen Schloß einen Bereich, der aus dem Stadtbild Bayreuths nicht mehr wegzudenken ist.