Regierung von Oberfranken

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Alexander von Humboldt in Bayreuth - 1792 bis 1797

Alexander von Humboldt (* 1769, † 1859) revolutionierte als Naturforscher und Reisender unsere Sicht auf die Welt. Zuvor aber hatte er in Bayreuth die Grundsätze moderner Regierung mitgeprägt. Aktuell ist er heute noch. Ein Universalgenie, dessen vernetztes Denken fasziniert, nennt ihn die Präsidentin der Regierung von Oberfranken, Heidrun Piwernetz. Sein Wissen, dass alles mit allem zusammenhängt, wirkt verblüffend modern.

Ich gehe vielleicht schon in drei Wochen nach Bayreuth, nach dem Fichtelgebirge. Ich habe den ehrenvollen Auftrag, die natürliche Beschaffenheit beider Markgrafentümer geognostisch und bergmännisch zu untersuchen; es sind mir fürs erste nur acht Wochen ausgesetzt, um bloß alles zu bereisen und dem Minister eine allgemeine Übersicht zu geben. Was dann erfolgt, ob ich ganz da bleibe (und Berghauptmann!! werde) oder nach Schlesien gehe, ist jetzt ganz ungewiss.


Humboldt an Karl Freiesleben, Berlin 4. Juni 1792
(In Jugendbriefe, S. 190) [1]
Alexander von Humboldt, Selbstportrait, 1814
Alexander von Humboldt
Selbstportrait, 1814

Alexander von Humboldt war seine Vorfreude in dem Brief vom 4. Juni 1792 an seinen Jugendfreund Johann Karl Freiesleben deutlich anzumerken. Gerade erst hatte er sein Studium an der Bergakademie Freiberg abgeschlossen, und schon wartete ein hochrangiger und verantwortungsvoller Posten in Bayreuth auf ihn.

Denn nur wenige Wochen vorher hatte der Markgraf Karl Alexander seine beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gegen eine Leibrente von jährlich 300.000 Gulden an Preußen abgetreten. Als Gouverneur für die neue preußische Provinz wurde Karl August Freiherr von Hardenberg eingesetzt, der, um möglichst schnell für preußisches Recht und Ordnung zu sorgen, für alle Bereiche preußische Spitzenbeamte und herausragende Absolventen nach Bayreuth holte.

Hardenberg und der für den preußischen Bergbau zuständige Minister Friedrich Anton Freiherr von Heinitz sahen in dem jungen Alexander von Humboldt, der gerade erst als Assessor mit Stimmrecht im preußischen Bergdepartement angestellt wurde, den idealen Mann, um den darniederliegenden Bergbau im Fichtelgebirge zu inspizieren.

Humboldts erste Bestandaufnahme

Sein erster Auftrag war eine Bestandsaufnahme der Gruben und Hütten in den neuen preußischen Provinzen. Am 26. August 1792 legte Humboldt den Freiherren von Heinitz und von Hardenberg – zunächst mündlich, später schriftlich - seinen umfassenden Bericht seiner Inspektionsreise vor.

Sie waren von Humboldts präzisen Ausführungen, Analysen und Verbesserungskonzepten angetan und übertrugen ihm sofort die Leitung des Berg- und Hüttenwesens in Bayreuth.

Voller Stolz berichtet Humboldt seinem Freund Johann Karl Freiesleben in einem Brief vom 27. August 1792:

Ich bin gestern zum königlichen Oberbergmeister in den beiden fränkischen Fürstentümern ernannt worden. Alle meine Wünsche, guter Freiesleben, sind nun erfüllt. Ich werde von nun an ganz dem praktischen Bergbau und der Mineralogie leben.

Humboldt an Karl Freiesleben, Bayreuth, 27. August 1792
(In Jugendbriefe, S. 209) [2]

Der Dienstantritt in Bayreuth

Am 30. Mai 1793 trat er seinen Dienst als Oberbergmeister im preußischen Oberbergdépartement in Bayreuth an.

In welchem Gebäude das Oberbergdépartement untergebracht war, kann heute auch das Bayreuther Stadtarchiv nicht mehr feststellen. Denkbar ist, dass Humboldts Dienstsitz in der ehemaligen markgräflichen Kanzlei war, deren vier große Bürogebäude zur heutigen Regierung von Oberfranken gehören. Möglicherweise befand es sich im Alten Schloss, in dem auch heute das Bergamt Nordbayern seinen Sitz hat.

Bayreuth, Kanzleistraße
Bayreuth, Kanzleistraße: Humboldts Dienstsitz war entweder in der ehemaligen markgräflichen "Kanzlei" (rechts) oder im Alten Schloss (im Hintergrund), in dem auch heute das Bergamt Nordbayern seinen Sitz hat.

Aus Bayreuth schreibt Humboldt an Freiesleben:

Ich habe mit meinen Grubenberichten so viel Ehre eingelegt, dass ich die alleinige Direktion des Bergbaus in den drei Bergämtern Naila, Wunsiedel und Goldkronach erhalten habe.

[3]

Hoch zu Ross besuchte und inspizierte er die Reviere und technischen Anlagen und widmete sich mit ganzer Kraft um die ihm anvertrauten Bergämter. Nacheinander führte er im Februar und März die etwa einwöchigen Generalbefahrungen in Goldkronach, in der preußischen Enklave Kaulsdorf, in Naila und Wunsiedel durch. In den Betriebsanalysen stellte er schnell die Mängel fest, lieferte Verbesserungsvorschläge. Die Maßnahmen wurden erfolgreich umgesetzt. In kürzester Zeit gelang es Humboldt, die maroden Bergwerke profitabel zu machen.

Humboldt wurde nicht nur von seinen Vorgesetzten gelobt, sondern er war auch bei den Bergleuten sehr beliebt und wurde respektiert. Er versuchte, den Lebensstandard und die Absicherung der Menschen mit Büchsengeldern für Witwen und Waisen von verunglückten Bergleuten zu verbessern, und sorgte dafür, dass Überschüsse der Bergämter in eine Bergbau-Hülfskasse eingezahlt werden, um in Not geratene Bergleute finanziell zu unterstützen und den gemeinen Bergmann selbst mehr auszubilden.

Die erste Bergschule

Aus eigenen Mitteln gründete er im November 1793 in Steben eine freie königliche Bergschule, um das junge Bergvolk zu verständigen und brauchbaren Bergleuten heranzubilden.

Für 30 Gulden, einen Simmer Korn sowie freies Holz und Licht stellte Humboldt Georg Heinrich Spörl aus Naila als Lehrer an,[4] einen jungen und klugen Schichtmeister, der nicht nur sehr gute Fachkenntnisse besaß, sondern auch den Dialekt im Fichtelgebirge verstand.

Wenn man so will, entstand damit vor 225 Jahren die erste Berufsschule in Deutschland, in der die Schüler zwischen elf und 16 Jahren, zum Teil aber auch erheblich ältere Bergmänner, eifrig am Unterricht teilnahmen. In keinem anderen Bergrevier wurden junge Männer aus dem Bergbau in der damaligen Zeit so fundiert und praxisbezogen ausgebildet wie in Steben.

Weil es noch keine Lehrmittel gab, verfasste Humboldt selbst Bücher für den Unterricht.[5] Auf dem Stundenplan standen bergmännisches Rechnen, Geologie, Gebirgskunde, die Geschichte des Bergrechts, Grundwissen über Grubenwasser, Wetter, Lagerstätten, aber auch Heimatkunde sowie Schön- und Rechtschreiben. Die Schulzeit endete mit einer öffentlichen Prüfung und der Auszeichnung der besten Schüler, die als Steiger im Fichtelgebirge und Frankenwald Anstellung fanden.

Das Fernweh siegte

Für Humboldt war seine fränkische Tätigkeit als Bergbauingenieur quasi die Generalprobe für ein um ein vielfach größeres, weil weitumspannendes Projekt, sagte Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz bei einem Festvortrag zum Humboldttag 2017 in Goldkronach. In der Tat, den Briefen ab Mitte 1794 merkt man mehr und mehr Humboldts Wunsch nach großen Reisen und Forschungen an. Er teilt Friedrich Schiller in einem Brief vom 6. August 1794 mit:

Vielleicht glückt es mir, mich bald ganz los zu machen und der großen wissenschaftlichen Arbeit, die ich mir vorgesteckt und die ich mit Anstrengung verfolge, ganz zu leben.

[6]

Am 26. März 1795 bat Alexander von Humboldt um die Entlassung aus seinen Pflichten als Oberbergmeister. Diese Kündigung konnten Karl August von Hardenberg und Friedrich Anton von Heinitz mit einer Beförderung zum Oberbergrat und mehr Freiheiten für wissenschaftliche Reisen noch verhindern.

Das Fernweh ließ Alexander von Humboldt jedoch nicht mehr los. Ich bereite mich jetzt ernsthaft zu einer großen Reise außerhalb Europas vor[7], schrieb er Ende des Jahres 1796 an Abraham Gottlob Werner.

Insgeheim wusste er wohl schon länger, dass die Anstellung in Bayreuth nicht die Erfüllung all seiner Wünsche war. Schade für Bayreuth, dass am Ende sein Fernweh die Oberhand behielt, aber auch ein Glück für die Welt, sonst wäre er nicht zu seinen bahnbrechenden Erkenntnissen gelangt.

So schied Humboldt Ende Dezember 1796 auf eigenen Wunsch aus dem Bergdienst aus. Am 24. Februar 1797 verließ er Bayreuth.

Karl August Freiherr von Hardenberg zollte ihm uneingeschränktes Lob. In seiner Denkschrift über die Verwaltung der Fürstentümer Bayreuth-Ansbach schreibt er, dass Humboldts Verdienste um den Bayreuther Bergbau sehr groß sind[8].

Anmerkungen