Regierung von Oberfranken

Pressemitteilung-Nr.: 141/16
17.11.2016
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Ostbayernring: Raumordnungsverfahren für den Ersatzneubau der 380-kV-Leitung von Redwitz (Oberfranken) nach Schwandorf (Oberpfalz) abgeschlossen

Die Regierung der Oberpfalz hat am 16.11.2016 das Raumordnungsverfahren für den etwa 185 Kilometer langen Ausbau der bestehenden Höchstspannungsfreileitung Ostbayernring zu einer leistungsstärkeren 380-kV-Leitung zwischen dem oberfränkischen Redwitz und Schwandorf abgeschlossen. Das Verfahren wurde auf Grundlage der Art. 24 und 25 des Bayerischen Landesplanungsgesetzes (BayLplG) im Benehmen mit der Regierung von Oberfranken durchgeführt. Dabei wurde die Gesamtplanung für den Ersatzneubau als Freileitung durch die Regierungen auf ihre Raumverträglichkeit hin überprüft und bewertet.

Die rd. 40 Jahre alte Bestandsleitung mit jeweils einem 380 und 220-kV-Stromkreis gerät mittlerweile aufgrund der zunehmenden Einspeisung regenerativer Energien regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen. Nachdem zukünftig aufgrund des weiteren Ausbaus regenerativer Energien und des Wegfalls der Kernkraftwerke von einem weiteren Anstieg der Lastflüsse auszugehen ist, bedarf es zur Sicherstellung der Versorgung Nordostbayerns sowie zum Transport erneuerbarer Energien eines Ausbaus der Höchstspannungsleitung auf zwei 380-kV-Systeme. Der Ausbaubedarf ist im Netzentwicklungsplan Strom dokumentiert und von der Bundesnetzagentur bestätigt. Der Ersatzneubau des Ostbayernrings ist als Vorhaben Nr. 18 Teil des Bundesbedarfsplangesetzes.

Der Ersatzneubau ist notwendig, nachdem eine Erhöhung der Transportkapazitäten durch Optimierungsmaßnahmen entsprechend dem NOVA-Prinzip (Netzoptimierung vor -verstärkung vor -ausbau) nicht möglich ist, da die vorhandenen Mastkonstruktionen eine Aufrüstung auf die o.g. geplanten 380-kV-Systeme mit erhöhter Beseilung aus statischen Gründen nicht zulassen.

Für eine Erdverkabelung besteht zum derzeitigen Zeitpunkt keine gesetzliche Grundlage. Sollte zukünftig die Möglichkeit zur Erdverkabelung eröffnet werden, wäre diese durch den Vorhabenträger zu berücksichtigen und durch die Raumordnung ergänzend zu prüfen.

Die von der Firma Tennet TSO GmbH, Bayreuth, als Vorhabenträger vorgelegte Planung ist überwiegend als Ersatzneubau parallel zur Bestandsleitung konzipiert, umfasst jedoch in mehreren Teilräumen auch verschiedene alternative Trassenvarianten.

Insgesamt wurde das Vorhaben von den Regierungen als raumverträglich beurteilt – wobei die Zustimmung an eine Reihe von Maßgaben bzw. Auflagen zur Erhöhung der Verträglichkeit der Planung geknüpft wurde.

In Abschnitten mit mehreren Trassenvarianten wurde meist nur eine Variante für raumverträglich erklärt. So wurden in der Oberpfalz in den Räumen Schwandorf, Wernberg-Köblitz, Luhe-Wildenau und Win¬discheschenbach mehrere Trassenvarianten negativ beurteilt. In Oberfranken entsprachen in den Bereichen Marktredwitz, Hebanz, Kirchenlamitz, Weißdorf, Maxreuth, Neuensorg/Traindorf, Maierhof sowie Lehenthal einzelne Varianten nicht den Erfordernissen der Raumordnung.

Neben dem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen spielten bei den Entscheidungen insbesondere Belange des Siedlungswesens und der Wohnumfeldvorsorge -gemäß der neuen Abstandsregelung- eine gewichtige Rolle. Da in den vergangenen Jahrzehnten Siedlungen sehr nahe an die bestehende Höchstspannungsleitung herangerückt sind, wurde dem Schutzgut Mensch bei der Beurteilung des geplanten Ersatzneubaus besonderes Gewicht beigemessen.

Im Ergebnis verläuft die positiv raumgeordnete Trasse je nach Variantenkombination zu 69 Prozent bis 74 Prozent in Annäherung an die Bestandstrasse und zu rd. 12 Prozent bis 13 Prozent in Bündelung mit bestehender, dauerhafter linearer Infrastruktur (Autobahn, Erdöl-/Gasleitung).

Der Neutrassierungsanteil umfasst je nach Variantenwahl zwischen 14 Prozent und 18 Prozent.

Zur Optimierung der positiv beurteilten Varianten enthält die landesplanerische Beurteilung eine Reihe zu beachtender Maßgaben. So muss die geplante Trasse bei zahlreichen Ortslagen weiter von bestehenden Wohngebieten abgerückt werden, um einen noch besseren Wohnumfeldschutz zu gewährleisten.

Darüber hinaus enthält die landesplanerische Beurteilung u.a. auch Maßgaben zur Reduzierung von Eingriffen in ökologisch sensible Bereiche sowie zur Verringerung der Auswirkungen auf Rohstoffabbau, Land- und Forstwirtschaft sowie Wasserschutz.

Insgesamt wurde durch das Raumordnungsverfahren ein wesentlicher Beitrag zur Ertüchtigung der Netzinfrastruktur als Bestandteil der Energiewende geleistet und zugleich darauf geachtet, einen raumverträglichen Trassenkorridor zu finden, der sich möglichst wenig störend auf das Wohnumfeld der Menschen auswirkt.

Die landesplanerische Beurteilung kann unter www.regierung.oberpfalz.bayern.de eingesehen werden.

An dem Ende November 2015 eingeleiteten Raumordnungsverfahren wurden von den beiden Regierungen insgesamt rd. 150 Fachstellen, Kommunen und Verbände sowie die Öffentlichkeit beteiligt. Die fachlichen Bewertungen sowie ihre Gewichtung im landesplanerischen Abwägungsprozess sind in der nun vorgelegten 160 Seiten starken landesplanerischen Beurteilung dargestellt. Auch die sehr zahlreichen im Anhörungsverfahren eingegangenen Äußerungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung wurden -soweit raumbedeutsam- im Raumordnungsverfahren berücksichtigt und entsprechend dokumentiert. Sämtliche darüber hinausgehende, auf Ebene der Raumordnung nicht zu berücksichtigende Hinweise und Äußerungen wurden dem Vorhabenträger Tennet übermittelt, damit diese in den weiteren Planungsprozess einfließen können.

Dem Raumordnungsverfahren schließt sich nun das Planfeststellungsverfahren an, bei dem die Trasse parzellenscharf festgelegt wird. Auch beim Planfeststellungsverfahren werden die Öffentlichkeit und die Fachstellen erneut beteiligt werden.