Regierung von Oberfranken

Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie in Oberfranken



Die Umsetzung der vom Bayerischen Ministerrat 2008 beschlossenen Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt erfolgt unter anderem über verschiedenste Naturschutzprojekte. Diese werden vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gefördert. Beispielhaft werden im Folgenden einige der oberfränkischen Projekte vorgestellt:

"Fränkisch verwurzelt" - prägende Bäume in unserer Kulturlandschaft

Foto Baum, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Alte Bäume sind ein Kulturgut. Sie können große Bedeutung für das Landschaftsbild und als Lebensraum für Tiere, Flechten oder Moose besitzen. Über ihre Geschichte fördern sie die Heimatverbundenheit und die kulturlandschaftliche Eigenart.

Mit dem Projekt "Fränkisch verwurzelt" setzt sich die Regierung von Oberfranken für den Erhalt markanter Einzelbäume, wegbegleitender Baumreihen oder Alleen und alter Streuobstbestände ein. Diese "grünen Landmarken" sind in unserer fränkischen Landschaft fest verwurzelt und beständig. Dennoch sind sie anfällig für menschliche Eingriffe. Zum Heranwachsen benötigen sie länger als ein Menschenleben, deren unwiederbringliche Beseitigung dauert oft nur wenige Minuten. Mit dem Biodiversitätsprojekt soll in der Bevölkerung, in Kommunen, bei Straßenmeistereien und Entscheidungsträgern für die Bewahrung der Altbäume geworben werden.

Der Projektstart findet in drei ausgewählten oberfränkischen Kommunen statt. Zunächst erfolgt die Kartierung und naturschutzfachliche Bewertung der Bäume. Zudem wird die Bedeutung für das Landschaftsbild aufgenommen und die kulturgeschichtlichen Hintergründe recherchiert. Die Ergebnisse werden in einzelnen Baumporträts anschaulich zusammengefasst.

So wurden im Stadtgebiet von Bad Rodach im Landkreis Coburg insgesamt 132 Bäume, Baumreihen, Alleen und Streuobstbestände, im Marktgemeindegebiet Ebensfeld im Landkreis Lichtenfeld deren 171 sowie im Markt Zapfendorf im Landkreis Bamberg 230 "grüne Landmarken" erfasst.

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Artenschutz im Gartendenkmal

Foto historische Parkanlage, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Schlossgärten sind wahre Schatzkisten der Biodiversität. Hier tummeln sich neben Insekten wie Wildbienen, Schmetterlingen, Libellen und Käfern auch Fledermäuse, Vögel, Amphibien und Fische. Dies ist vor allem ihrer vielfältigen und kontinuierlichen historischen Nutzungsweise zu verdanken. Weitläufige Altbaumbestände und artenreiche Flachlandmähwiesen, mystische Grotten und historische Gemäuer bieten einer Vielzahl an Lebewesen einen naturnahen Lebensraum.

In einem Kooperationsprojekt des Bayerischen Umweltministeriums und Finanzministeriums sollen diese Oasen der Artenvielfalt nun weiter in ihrem Potential gefördert werden. Im Auftrag der Regierungen von Oberfranken und Oberbayern wurden in drei Schlossgärten (Eremitage, Rosenau und Nymphenburg) Kartierungen von schützenswerten Arten, Biotopen und Strukturen durchgeführt. Auf dieser Basis und in enger Abstimmung zwischen Naturschutz und Denkmalschutz wurde die Pflege der Anlagen naturschutzfachlich weiterentwickelt.

Mopsfledermaus, Grauspecht und Zwerg-Bläuling sowie echte Urwaldreliktarten wie der Schwarzkäfer sind nur einige der vielen gefährdeten Arten, die im Rahmen der Kartierungen nachgewiesen werden konnten. Eine echte Sensation stellt der Fund des Pilzkäfers Triplax lacordairei dar – der erste belegte Nachweis des Käfers in Deutschland. Sowohl die Eremitage als auch die Rosenau bieten einen Rückzugsort für über 70 Käfer- und Wildbienenarten, mehr als 20 Libellen- und einem Dutzend Fledermausarten sowie für knapp 50 verschiedene Schmetterlinge. 18 Pilzarten wurden in der Rosenau nachgewiesen, darunter befinden sich 16 auf der Roten Liste. Damit fällt dem Schlosspark nationale Bedeutung für den Schutz von Wiesenpilzen zu.

Zukünftig soll auf jeder Fläche ein individuelles Paket an Pflegemaßnahmen umgesetzt werden. In Offenlandlebensräumen wird eine schonendere, kleinteiligere Mahd umgesetzt und Säume und Altgrasstreifen belassen. Innerhalb der Gehölzbestände sollen Totholz gefördert, weitere Nisthilfen installiert und gestufte Waldränder entwickelt werden. Um stabile Populationen von Amphibien und Libellen zu fördern, werden der Besatz von nicht-heimischen Fischen in Gewässern reguliert und Reinigungen außerhalb der Laich- und Aufzuchtzeit durchgeführt. 2020 wird das Projekt in drei weiteren Gartendenkmälern (Seehof, Schönbusch, Linderhof) fortgesetzt.

Obstsortenvielfalt in Oberfranken

Foto Obstmarkt Weihern, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Streuobstbestände können wahre Schatzgruben für alte, regionale Obstsorten sein. In Deutschland ist mit mindestens 3.000 Apfel- und 1.500 Birnensorten zu rechnen. Alte Obstbäume bieten zudem vielen Tier- und Pflanzenarten wie Wendehals, Gartenrotschwanz, Fledermäusen, seltenen Insektenarten, Pilzen und Flechten einen Lebensraum. Durch fehlende Pflege, ausbleibende Nachpflanzung und Nutzungsaufgabe sind viele Bestände hochgradig gefährdet.
Mit dem Projekt werden die Sortenvielfalt gesichert und Streuobstbestände als wertvolle Lebensräume erhalten. Dazu werden in etwa 30 oberfränkischen Beständen zunächst Apfel- und Birnbäume erfasst, die jeweilige Sorte bestimmt und die naturschutzfachliche Wertigkeit abgeschätzt. Die Kartierergebnisse liefern auch wertvolle Hinweise zu erforderlichen Pflegemaßnahmen in den Streuobstbeständen. Für besonders gefährdete Sorten erfolgen Vermehrungen. Mit einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vorträgen, obstkundlichen Führungen, Sortenbestimmungskursen, einem Faltblatt und mehreren Infotafeln wird die Bevölkerung über das Thema informiert. Zudem wurden Berichte im Bayerischen Fernsehen und auf arte gesendet.

Die Kartierergebnisse sind sehr erfreulich. Es wurden rund 7000 Kernobstbäume erfasst und 210 verschiedene Apfel- sowie 75 Birnensorten bestimmt. Darunter auch viele Raritäten wie Purpurroter Agatapfel, Goldgelbe Sommerrenette, Lütticher Ananaskalvill, Pfaffenhofer Schmälzling, Rote Walze, Grüner Fürstenapfel, Englische Spitalrenette oder Roter Fresquin bei den Äpfeln bzw. die Birnen Kleine Pfalzgräfin, Bamberger Kugelbirne, Gelbgraue Rosenbirne, Erzherzogsbirne und Minister Lucius. Von rund 180 teilweise unbekannter Sorten wurden Edelreiser zur Vermehrung in einer Baumschule und dem Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth gewonnen. Die so vermehrten Bäume konnten im Herbst 2016 und 2018 bei vielen Pflanzaktionen auf öffentlichen Flächen über Oberfranken verteilt ausgepflanzt werden. Die größte Pflanzfläche stellte der Landkreis Kronach zur Verfügung. Nordöstlich von Friesen erfolgte darauf die Anlage eines Sortengartens mit 180 Obstbäumen. Hier wird von jeder im Rahmen des Projekts vermehrten Sorte zumindest ein Baum heranwachsen und in Zukunft auch als "Spender" zur Gewinnung von Edelreisern für die weitere Vermehrung dienen. Ein herzliches Dankeschön allen Organisatoren und Mitwirkenden dieser Pflanzungen.

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Insektenvielfalt an Bambergs Straßenrändern

Foto Nachtigallen-Grashüpfer, © Martin Bücker
© Martin Bücker

Straßen werden häufig als lebensfeindliche Strukturen in der Landschaft eingeschätzt. Doch ihre Ränder bergen oft ein ungeahntes Potenzial für die Artenvielfalt. Durch langjährige extensive Pflege wandeln sich einst kurze Rasen zu bunten Blühstreifen, an denen sich Tiere und Menschen erfreuen können.

Bereits im Jahr 1999 begannen das Umweltamt und das Garten- und Friedhofsamt der Stadt Bamberg mit einem ökologischen Grünflächenmanagement ihrer Straßenränder auf magerem Terrassensand. Alljährlich werden seitdem alle Pflanzenarten an zahlreichen Rändern innerstädtischer Bundesstraßen untersucht und die Pflege kontinuierlich an die Bedürfnisse der Vegetation angepasst. So konnte die Vielfalt der Gefäßpflanzen von 380 Arten im Jahr 1999 bis auf 463 Arten im Jahr 2018 gesteigert werden. Durch die Erfassung von drei Insektengruppen (Wildbienen, Tagfalter, Heuschrecken) an 20 Straßenrändern, unterstützt seit 2019 auch die Regierung von Oberfranken die Bemühungen der Stadt Bamberg. Das Projekt wird vom Bayerischen Umweltministerium gefördert. Ziel ist es, die Pflege der Straßenrandlebensräume nun auch für Insekten zu optimieren. Mittels Vorträgen, einer Exkursion und einem Faltblatt, werden die Bevölkerung, Unternehmen und Kommunen über das Thema informiert.

Von 73 in Bayern lebenden Heuschreckenarten fanden sich im Projektgebiet 21 – also fast ein Drittel! – unter ihnen Seltenheiten wie die stark gefährdete Blauflügelige Ödlandschrecke. 75 Wildbienenarten konnten nachgewiesen werden, immerhin rund 15% der in Bayern lebenden Arten. 18 hiervon gelten als gefährdet. Die großflügeligen Schmetterlinge konzentrierten sich auf weniger stark befahrene Straßenabschnitte mit breiten, ungemähten Rändern und angrenzenden Lebensräumen. 12 Falterarten ließen sich beobachten.

Durch die Anpassung der Pflege an die Bedürfnisse der gefundenen Arten soll die Biodiversität gesteigert werden. Wichtige Kernaspekte sind eine niedrige Mahdhäufigkeit von 1-2x pro Jahr sowie ein jährlich wechselnder Mahdzeitpunkt. Eine zu häufige Mahd schadet den Insekten unmittelbar, wohingegen eine zu dichte Vegetation für Nistplätze von Wildbienen und Heuschrecken ungünstig sein kann. Das Mahdgut muss stets abgefahren werden, um eine Nährstoffanreicherung zu verhindern. In müllbelasteten Randbereichen kann sich ein gelegentlicher Austausch des Substrats positiv auswirken. Neben der Pflege der Straßenränder stellen auch behutsam gepflegte Flächen in unmittelbarer Nähe einen wichtigen Schlüssel zur Förderung der Artenvielfalt von Insekten an Straßenrändern dar.

Braunkehlchen

Foto Braunkehlchen, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Das Braunkehlchen war noch vor 50 Jahren in der offenen Kulturlandschaft ein weit verbreiteter Brutvogel. Heute ist der südlich der Sahara überwinternde Zugvogel in Bayern vom Aussterben bedroht. Gründe für diese enormen Bestandseinbrüche liegen oftmals in der Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung. Darunter fallen eine frühe und häufige Mahd des Grünlandes, Entwässerungen, Mahd von Säumen und Grabenrändern und der zur Abnahme des Nahrungsangebots beitragende Einsatz von Bioziden. Daneben sind Störungen durch freilaufende Hunde, verschiedene Freizeitaktivitäten und die Bejagung auf dem Zug wichtige Ursachen für den Rückgang.

Mit diesem Biodiversitätsprojekt sollen die langjährigen Bemühungen verschiedener Akteure zum Erhalt der letzten Populationen in Nordostoberfranken unterstützt werden. Seit Oktober 2017 hat der Landesbund für Vogelschutz e.V. die Projektträgerschaft übernommen. Die fünf Projektgebiete liegen in den Landkreisen Hof, Kronach und Kulmbach. Eine Projektmanagerin kümmert sich intensiv um die anstehenden Aufgaben wie die Beratung von Landwirten zu Fördermöglichkeiten naturverträglicher Nutzungsformen, die Planung und Umsetzung von lebensraumoptimierenden Maßnahmen, die Besucherlenkung sowie um Erfolgskontrollen. Neben Bestandserhebungen, einer Struktur- und Nutzungskartierung erfolgt ein Monitoring der angelegten Brachflächen und künstlich eingebrachter Sitzwarten. Zudem wird die Bevölkerung über Faltblätter, Infotafeln und Veranstaltungen informiert und zur Rücksichtnahme auf den seltenen Bodenbrüter aufgerufen.

Das enge Zusammenspiel aus örtlichen Landwirten, Jägerschaft, Landesbund für Vogelschutz e.V. und Behörden ist der wichtigste Baustein für den Arterhalt in der Feldflur. Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten ergaben sich positive Ergebnisse insbesondere bei der Entwicklung der Lebensraumstrukturen. So konnte seit 2016 die Anzahl Brutpaare weitgehend stabil gehalten und in Teuschnitz sogar gesteigert werden. Nun soll die Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung gestärkt werden. In einer mehrjährigen Wanderausstellung werden ab 2020 Bürger und Landwirte in Oberfranken über das Braunkehlchen informiert. In einem Symposium kann sich über Herausforderungen, Erfolge und die aktuelle Studienlage im Braunkehlchenschutz ausgetauscht werden.

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Schutz der Kleinen Hufeisennase

Foto Kleine Hufeisennase, © Peter Boye
© Dr. Peter Boye

Die vom Aussterben bedrohte Kleine Hufeisennase ist eine der seltensten Fledermausarten in Nordbayern. Ihren Namen verdankt sie dem hufeisenförmigen Hautaufsatz der Nase. Immer wieder werden in Höhlen und Kellern hauptsächlich im Landkreis Bayreuth einzelne Tiere in ihrem Winterquartier entdeckt. Sie hängen, anders als andere Fledermausarten, frei von der Decke und sind im Schlaf an der nahezu vollständigen Einhüllung durch ihre Flughäute erkennbar.

Zu einem erfolgreichen Fledermausschutz gehört auch die Sicherung von Sommerquartieren und Wochenstuben - das sind Quartiere in denen die Weibchen ihre Jungen zur Welt bringen und gemeinsam aufziehen. Gerade solche Wochenstuben sind aber in Oberfranken nicht bekannt. Daher wird im Rahmen des Projekts versucht, einzelne Tiere zu fangen und mit einem kleinen Sender zu behaften. Diese Tiere werden dann mehrere Nächte, bis zum Abfallen der Sender, verfolgt. Weitere Inhalte des Projekts sind die fledermausgerechte Sanierung maroder Keller-, Stollen- und Höhlentüren und die Kontrolle potenzieller Winterquartiere der Kleinen Hufeisennase.

Die bisherigen Ergebnisse des Projekts können sich durchaus sehen lassen. So konnten in vielen Höhlen, Kellern und Dachstühlen im Landkreis Bayreuth erstmalig Nachweise der Kleinen Hufeisennase erbracht werden. Durch die Besenderung und Verfolgung einzelner Tiere (Telemetrie) konnten mehrere Tages- und Nachtquartiere und als wahre Sensation auch Sommerquartiere bzw. Wochenstuben entdeckt werden. Bei im Rahmen des Projektes durchgeführten Untersuchungen konnten auch im Frankenwald einzelne Tiere der seltenen Fledermausart nachgewiesen werden. Nun gilt es die Quartiere und Lebensräume zu sichern und zu optimieren.

Ein Flyer zum Projekt soll zum Mitmachen bei der Aktion "Fledermäuse willkommen" anregen und ruft auch auf, Vorkommen der an ihren Hangplätzen gut erkennbaren Kleinen Hufeisennase zu melden. Einigen Eigentümern von Fledermausquartieren wurde für ihr Engagement die Plakette "Fledermäuse willkommen" und eine von Staatsministerin Ulrike Scharf unterzeichnete Urkunde verliehen.

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Gebirgsschrecke bei Pottenstein - ein Relikt aus den Eiszeiten

Foto Nymphenfledermaus, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Die Gewöhnliche Gebirgsschrecke (Podisma pedestris) hat aktuell in Oberfranken nur noch ein Vorkommen in den Kalkmagerrasen bei Pottenstein. Früher war die Art weit verbreitet. Als sich nach den Eiszeiten der Wald ausbreitete, zog sich die bunte Heuschrecke auf die vegetationsarmen Lebensräume zurück. Hier erlitt sie nach Aufgabe der traditionellen Nutzung ab den 1950er-Jahren massive Bestandseinbrüche. Die nur 17-30 Millimeter große Heuschrecke ist in Bayern stark gefährdet, außerhalb der Alpen gilt sie durch die wenigen isolierten Restvorkommen sogar als vom Aussterben bedroht.

Zunächst wurde bei Kartierarbeiten untersucht, wo genau die Gebirgsschrecke lebt und welches die wertvollsten Bereiche ihres Lebensraumes sind. Durch diese Lokalisierung können gezielt Gefährungsursachen beseitigt werden. Da die sehr standorttreue Art flugunfähig ist, können aufkommende Verbuschung oder zunehmende Beschattung zu starken Beeinträchtigungen bis hin zum lokalen Aussterben der Population führen. Deshalb werden auch die Pflegemaßnahmen der Magerrasen auf die Ansprüche der Gebirgsschrecke abgestimmt.

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Sandgruben in Oberfranken

Foto Sandgruben, © Gerhard Bergner
© Gerhard Bergner

Die Neuanlage von Sandgruben kann einen massiven Eingriff in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild bewirken. Hauptsächlich in ausgeräumten Agrarlandschaften, bei entsprechend geregeltem Abbau und naturschutzorientierter Rekultivierung können sich die Abbaustellen zu Naturoasen aus "zweiter Hand" entwickeln. Gerade Pionierarten und Arten, die an offene Lebensräume angepasst sind, finden hier letzte Rückzugsräume. Hochgradig bedroht ist der Lebensraum vor allem durch die für die Betreiber sehr lukrative Verfüllung.
Das Projekt zielt darauf ab, die außerordentlich hohe Bedeutung von Sandgruben als Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu belegen, zu sichern und den Betreibern sowie der Öffentlichkeit bewusst zu machen.
Die im Rahmen des Projekts erfolgte Kartierung von Pflanzen und verschiedenen Tiergruppen in 27 oberfränkischen Sand- und Tongruben belegt, wie wertvoll diese Abbaustellen für die Biodiversität sind. Festgestellt wurden rund 850 verschiedene Arten. Darunter beispielsweise auch Seltenheiten wie Rundblättriger Sonnentau, Sumpfbärlapp, Uhu, Kreuzkröte, Gelbbauchunke, Kammmolch oder die Blauflügelige Sandschrecke. Allein 135 verschiedene Wildbienenarten wurden erfasst.
Sandgrubenbetreiber können bereits während der Abbauphase viel zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. So werden beispielsweise felsbrütende Vogelarten durch die Gestaltung von strukturreichen Steilwänden mit Vertiefungen, Nischen und Vorsprüngen gefördert. Offene Rohbodenflächen, Kleingewässer mit unregelmäßiger Uferlinie oder Steinhaufen bieten vielen Arten einen Lebensraum. In älteren Sandgruben können Entbuschungen oder das Abschieben von Oberboden zum Offenhalten erforderlich sein.

Zum Abschluss des Projekts wurde die Broschüre "Sandgruben in Oberfranken – von Wunden in der Landschaft zu Oasen der Vielfalt" erstellt. Diese wurde von Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin im Juli 2015 exemplarisch an einen Abbauunternehmer übergeben. Zudem lieferte das Projekt wichtige Hinweise für die Ausarbeitung von Landschaftspflegerischen Begleitplänen und gab den Ausschlag für den Erwerb einer naturschutzfachlich besonders bedeutsamen alten Sandgrube.

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Gartenschläfer im Fichtelgebirge und Frankenwald

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© Arno Laurent

Durch die verborgene, überwiegend nachtaktive Lebensweise des Gartenschläfers ist über seine Verbreitung in Oberfranken relativ wenig bekannt. Aktuelle Einzelnachweise liegen aus dem Fichtelgebirge und Frankenwald vor. Die possierliche Art nutzt Baumhöhlen, alte Wurzelstöcke und Nistkästen als Tagesversteck. Weitere wichtige Strukturelemente sind beerenreiche Hecken und zwergstrauchreiche Säume beispielsweise um Blockmeere. Mit unterschiedlichen Erfassungsmethoden werden im Rahmen des Projektes Kenntnislücken zu Vorkommen und Lebensraumansprüchen des Gartenschläfers geschlossen. Dazu wird auch ein Netzwerk ehrenamtlicher Helfer aufgebaut, das sich beispielsweise um die Kontrolle ausgebrachter Nistkästen und -röhren kümmert. Wer hier mitarbeiten oder Funde von Gartenschläfern melden möchte, kann sich gerne mit den in einem Fahndungssteckbrief genannten Personen oder der Regierung von Oberfranken in Verbindung setzen.
Die Information der Forstbetriebe, Waldbesitzer und der breiten Öffentlichkeit erfolgt über Vorträge, Plakate und ein Faltblatt.

Das Projekt ist mittlerweile abgeschlossen. Ein besonderer Dank gilt den ehrenamtlichen Helfern, die sich auch nach dem Projektabschluss noch um die Kontrolle und Betreuung der Gartenschläfer-Nistkästen kümmern.

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Biodiversität in Gefahr: Neubürger in der Tier- und Pflanzenwelt Oberfrankens

Als Neubürger der Tier- und Pflanzenwelt werden Organismen bezeichnet, die sich nach dem Jahr 1492 (Entdeckung Amerikas) in einem zuvor nicht von ihnen besiedelten Gebiet durch direkte oder indirekte Hilfe des Menschen angesiedelt haben. Diese nichtheimischen Arten werden unter dem Begriff "Neobiota" zusammengefasst. Bekannte Beispiele sind Kartoffelkäfer, Bisam, Indisches Springkraut oder Riesen-Bärenklau.

Manche der "Neuankömmlinge" richten immense Schäden an und werden mit Millionenkosten bekämpft. Je nach Art sind sie teilweise gesundheitsschädlich, verdrängen durch ihre Konkurrenzkraft heimische Arten und führen zur Veränderung von Lebensräumen. Neobiota gelten daher nach dem Verlust und der ZerstÖrung von Lebensräumen als zweithäufigste Ursache für den weltweiten Rückgang an biologischer Vielfalt.

Die Regierung von Oberfranken versucht der oftmals versehentlichen oder unwissentlichen Ausbreitung von Neobiota entgegenzuwirken. Hierzu wurden Faltblätter entworfen, die verschiedene Interessensgruppen wie Imker, Teichbesitzer oder Hobbygärtner informieren sollen. Die Faltblattserie wurde im Rahmen der Umsetzung der Bayerischen Biodiversitätsstrategie erstellt.

Schönheiten der Nacht - Nachtfalter in Sand-Lebensräumen

Foto Ampfer-Purpurspanner, © Martin Bücker
© Martin Bücker

Nicht alle Nachtfalter fliegen nur nachts und sind unscheinbar grau. Manche von ihnen sind durchaus auch tagsüber zu sehen, andere wiederum können sehr bunt und auffällig sein.

In einem weiteren Projekt der Regierung von Oberfranken wird die Nachtfalterfauna in ausgewählten Sandlebensräumen in Stadt und Landkreis Bamberg untersucht. Dabei werden die Tiere mit Hilfe von Leuchtanlagen und speziellen Lockstoffen angelockt und bestimmt. Die vorgefundenen Nachtfalter dienen als Indikatoren für den Zustand und die naturschutzfachliche Wertigkeit der untersuchten Sandlebensräume. Die Ergebnisse der Kartierung werden mit der 1991 von der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen durchgeführten Untersuchung verglichen. Daraus können Hinweise zur Pflege und zum Management der wertvollen Sandmagerrasen abgeleitet werden.

Neben vielen Nachfalterarten der Roten Liste konnte auch die bis dato als in Bayern ausgestorben geltende Adlerfarneule (Callopistria juventina) nachgewiesen werden. Interessierte Bürger wurden bei Nachtexkursionen über die Vielfalt der nachtaktiven Schmetterlinge informiert. Das Projekt ist zum Jahresende 2015 ausgelaufen.

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Erfassung und Schutz der Nymphenfledermaus

Foto Nymphenfledermaus, © Jürgen Thein
© Jürgen Thein

Die Nymphenfledermaus ist eine unserer kleinsten Fledermäuse. Sie wurde 2012 erstmalig für Bayern im Landkreis Forchheim nachgewiesen. Mittlerweile gibt es Hinweise auf Vorkommen auch aus anderen Teilen Oberfrankens.

Zu Lebensweise und den Lebensraumansprüchen ist derzeit nur wenig bekannt. Bisherige Fundstellen liegen in Laubwäldern mit Altbäumen und engem Bezug zu Feuchtflächen.

Das Projekt möchte diese Kenntnislücken verkleinern. Deshalb erfolgen Untersuchungen sowohl in Waldgebieten mit bekannten Vorkommen der Nymphenfledermaus, in potenziell als geeignet erscheinenden Lebensräumen aber auch in Gebieten, in denen die Art nach den bisherigen Erfahrungen nicht unbedingt zu erwarten wäre.

Die Bestandserfassungen erfolgten mit Hilfe von Rufaufzeichnungsgeräten (Batcordern) und in Ausnahmefällen durch Netzfänge. Die Ergebnisse waren sehr erfreulich: In 8 der 16 untersuchten Waldgebiete in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels und Bamberg konnten Nachweise der Nymphenfledermaus erbracht werden. Durch konsequenten Schutz alter Laubholzbestände sowie das Belassen von Altbäumen mit absterbenden Ästen im Kronenbereich, kann die Nymphenfledermaus gefördert werden. Das Projekt ist zum Jahresende 2014 ausgelaufen.

Ansprechpartner

Gerhard Bergner
Sachgebiet 51
Tel.: 0921/604-1476
Fax: 0921/604-4476
E-Mail: Gerhard Bergner
Simon Bauer
Sachgebiet 51
Tel.: 0921/604-1442
Fax: 0921/604-4442
E-Mail: Simon Bauer